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Hier habe ich eine sehr gute Stellungnahme zum Thema soziales Netz im SZ Forum gefunden: Gut, ich will es mir sparen, die einzelnen Ressentiments aufzuzählen, die hier bei einigen offen zu tage treten. Auch will ich mir die Aufzählung sparen, welche psychosozialen Faktoren für solch ein Denken Voraussetzung ist. Und obwohl ich weiß, dass Empirie und Vernunft bei solchen Menschen wenig verfangen, möchte ich einen Versuch wagen, die Sinnlosigkeit der Arbeitslosen-Hetze hier im Forum aufzuzeigen. Sinnlos ist sie, weil sie sich (außer zur Triebabfuhr autoritärer Charaktere) gegen die eigenen Interessen der Hetzenden wendet. Denn die arbeitende Bevölkerung ist ebenso von der Verschärfung der Arbeitslosengesetzgebung betroffen: Jeder Ökonom weiß, dass Sozialtransferleistungen einen Mindeststandard setzen. Natürlich ist dieser Mindeststandard nicht so festgezurrt wie ein Mindestlohn, weil es genug Menschen gibt, die lieber für weniger Geld arbeiten als sich dem Nerv der Sozialbehörden auszusetzen bzw. die dieses aufgrund sozialer Anerkennung und Selbstwertgefühl wegen Arbeit machen. Aber im Allgemeinen wird ein ökonomisch denkender Mensch nur dann arbeiten gehen, wenn er dadurch mehr Geld hat als vorher. Wenn man sich nun die Geschichte der 90er Jahre anschaut, dann sieht man, dass der Staat sukzessive Leistungsempfänger in den Blick genommen hat, um die Richtlinien zu verschärfen. Zunächst Asylbewerber, dann Studenten, zuletzt Arbeitslose. Alles Gruppen, die legal oder illegal, im unteren Einkommensbereich (potentiell) arbeiten. Und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass im gleichen Zeitraum ein massiver Angriff auf die Löhne der unteren und mittleren Schichten erfolgt ist, Gewerkschaften geschwächt wurden, die Lohnkonkurrenz unter den Abhängigbeschäftigten zugenommen hat etc pp. Die Löhne, die heute nicht mehr zum leben reichen, die konnten nur entstehen, weil man das soziale Netz soweit abgesenkt hat. Wer Angst vor der realen Gefahr Verarmung hat oder auch - genauso berechtigt - nur davor, dass er sein Auto abgeben muss, der stimmt natürlich viel eher einer betriebsinternen Abweichung vom Tarifvertrag zu. Und das hat - wenn es in der Breite passiert - natürlich zur Folge, dass Löhne weiter sinken. Genauso wenn Wiedereinsteiger für viel weniger arbeiten als andere... auch das führt in der Lohnkonkurrenz zu sinkenden Löhnen insgesamt. Oder warum haben die Arbeitgeber immer so ein Interesse an den Kürzungen gehabt. Das sind ja keine bösen Teufel. Das sind natürliche Interessen. Eine sehr realistische Betrachtung finde ich und sehr gerne würde ich Eure Meinung hierzu lesen. Na, worauf wartet Ihr?
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